Die patentierte Sau

Am 16. Juli 2008 hat das Europäische Patentamt (EPA) in München die Erteilung eines Patentes auf die Zucht normaler Schweine (EP 1651 777) veröffentlicht.

https://publications.european-patent-office.org/PublicationServer/documentpdf.jsp?PN=EP1651777%20EP%201651777&iDocId=6942768&iepatch=.pdf

Das Gen kommt natürlicherweise in den meisten Europäischen Schweinerassen vor!

Verrückte Welt. Gibt es bald ein Patent auf Sonnenlicht, und jeder der es benutzt muss dafür zahlen?

Hintergrundinformationen im Film:

Die Arme Sau – eine Doku über Genfood

http://video.google.de/videoplay?docid=-5599944742624470002

Kurzbeschreibung siehe auf:  http://genfood.wordpress.com/2007/06/20/arme-sau-das-geschaft-mit-dem-erbgut-2/

Greenpeace-Artikel zur Patentierung:

Patent auf Schweinezucht
Normale Erbanlagen und konventionelle Zucht im
Fadenkreuz der Konzerne

Am 16. Juli 2008 hat das Europäische
Patentamt (EPA) in München die Erteilung
eines Patentes auf die Zucht normaler
Schweine (EP 1651 777) veröffentlicht.
Das Patent basiert auf der
Nutzung von Erbanlagen, die bei allen
europäischen Schweinerassen vorkommen.

Ursprünglich hatte der US
Konzern Monsanto das Patent angemeldet.
Inzwischen ist es im Besitz
des US-Unternehmens Newsham
Choice Genetics , mit dem eine enge
Zusammenarbeit geplant ist. Das Patent
könnte ein Türöffner zu einer
weitgehenden Monopolsierung der
Tierzucht in Europa werden.

Das Patent hat zum Ziel, Schweine zu
erzeugen, die schneller wachsen, um so
langfristig die Kosten in der Fleischproduktion
zu senken. Die Weltpatentbehörde
in Genf (World Intellectual
Property Organisation, WIPO) hat das Patent
im Februar 2005 im Register unter
der Nummer WO 2005/017204 verzeichnet.
In der Patent-Anmeldung listet
Monsanto mehr als 160 Länder auf, in
denen das Patent gelten soll, darunter 27
Staaten in Europa, Asien (Indien, Philippinen,
China), Amerika (USA, Brasilien,
Mexiko), Russland und Australien. Der
Antrag wird inzwischen noch in den USA,
Kanada, Australien, Brasilien und Mexiko
verfolgt, erteilt wurde das Patent nur in
Europa (unter der Nummer EP 1651 777).
Schweine sind keine Erfindung
Im Patent werden Erbanlagen beschrieben,
die nach Laboruntersuchungen,
die Greenpeace in Auftrag
gegeben hat, wohl in allen europäischen
Schweinerassen vorhanden sind. Die
Schweine sollen anhand dieser Erbanlagen
ausgewählt und mit einander gekreuzt
werden. So wie das Patent formuliert
ist, kann es sich auch auf die Nachfolgegenerationen
der Tiere erstrecken.
Im Ergebnis wären die so gezüchteten
und patentierten Schweine nicht von
anderen Schweinen zu unterscheiden.
Die Patentinhaber könnten deswegen versuchen,
ihre Ansprüche gegenüber Landwirten
auch einfach auf Verdacht durchzusetzen.
Diese müssten sich dann vor
Gericht zur Wehr setzen.
Das entsprechende Gen hatte nicht
Monsanto entdeckt, seine Funktion war
bereits bei anderen Säugetieren beschrieben.
Trotzdem sah das EPA die
Voraussetzungen für eine Erteilung des
Patentes für gegeben.
Überraschend ist die Patenterteilung vor
allem, weil Patente auf „im Wesentlichen
biologischen Verfahren zur Züchtung von
Pflanzen und Tieren“ laut Europäischen
Patentgesetzen verboten sind. Da es bei
der Interpretation dieser Vorschrift Unklarheiten
gibt, hat das Amt eine sogenannte
Große Beschwerdekammer eingesetzt,
die über die richtige Auslegung der Vorschrift
entscheiden soll (G2/07 und
G1/08). Da mit einer Entscheidung nicht
vor 2009 zu rechnen ist, hätte die Entscheidung
über den Antrag von Monsanto
zumindest aufgeschoben werden
müssen.
Konzerne streben nach weitreichenden
Monopolen
Konzerne wie Monsanto, Dupont, Bayer,
BASF, die ursprünglich aus der Agrochemie
kommen, haben sich in den
vergangenen Jahren stark im Saatgutbereich
ausgebreitet. Monsanto ist inzwischen
weltweit die größte Saatgutfirma.
Wie ein Report zeigt, den die Liga der Hir-
tenvölker zusammen mit Greenpeace erstellte,
richtet sich das Interesse der Konzerne
jetzt zunehmend auf die Tierzucht
(Susanne Gura, 2007: Das Tierzucht-
Monopoly,
http://www.greenpeace.de/fileadmin/gpd/
user_upload/themen/patente_auf_leben/g
reenpeace_tierzucht_monopoly.pdf).
In Europa wurden jüngst bereits weitere
Patente auf Kühe, die Zucht von Rindern
und Schweinen vergeben (siehe z.B.
http://www.greenpeace.de/fileadmin/gpd/
user_upload/themen/patente_auf_leben/F
S_Patente_auf_Tiere.pdf).
Nach Recherchen von „Kein Patent auf
Leben!“ hat Monsanto selbst insgesamt
16 Patente im Bereich der Tierzucht
angemeldet (http://www.keinpatent.de/index.
php?id=89).
Mit Hilfe von Patenten auf Saatgut und
Tierzucht kann die gesamte Lebensmittelproduktion
vom Landwirt bis zum Verbraucher
kontrolliert werden. Insbesondere
die Landwirte fürchten neue Abhängigkeiten.
Deswegen hat sich ein weltweites
Bündnis gegen derartige Patente ausgesprochen
(www.no-patents-onseeds.
org), das auch von Greenpeace unterstützt
wird.
Greenpeace fordert:
• ein Verbot der Patentierung von
Genen und Lebewesen, insbesondere
ein Verbot der Patentierung von Saat
gut und Tieren

http://www.greenpeace.de/fileadmin/gpd/user_upload/themen/patente_auf_leben/FS_Patent_auf_Schweinezucht.pdf

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